Rassegeflügelzuchtverein Bückeburg e.V.

 

Geschichtliches zum Verein

Prinz Hermann zu Schaumburg – Lippe hatte
wesentlichen Anteil an der Vereinsgründung

Die Züchter konnten stets auf seine Unterstützung rechnen –
zahlreiche Medaillen gestiftet


Die Geschichte des Geflügelzuchtvereins Bückeburg und Umgebung ist in den frühen Jahren eng verknüpft mit dem Lebensweg von Prinz Hermann zu Schaumburg- Lippe.
Am 19.Mai 1848 wurde er in Bückeburg als Sohn des Fürsten Adolf Georg zu Schaumburg-Lippe und dessen Gemahlin Fürstin Hermine geboren. Schon früh wandte sich der Prinz der Geflügelzucht zu. Er richtete im Schlossgarten Volieren ein.
1871 kehrte Prinz Hermann aus dem Krieg gegen Frankreich in die Residenzstadt zurück. Dort hatte er etwas von der wirtschaftlichen Bedeutung der Geflügelzucht erfahren und war entschlossen, in seiner Heimat Interesse und Verständnis für diese landwirtschaftlichen Nebenbetriebe zu wecken. Er legte im alten Hasengarten an der Petzer Chaussee eine Kaninchen und Geflügelzucht an. Sie gilt als Ursprung des 1882 gegründeten „Verein für Geflügelzucht, Obstbau, Bienen- und Kaninchenzucht im Fürstentum Schaumburg–Lippe unter dem Protektorate Sr. Hochf. Durchl. des Prinzen zu Schaumburg–Lippe“ (so der vollständige Vereinsname bei der Gründung). Bückeburg und seine Umgebung bildete die erste Sektion dieses Vereins. Von Anfang an kümmerte sich Prinz Hermann intensiv um das Gedeihen und Wachsen des neu gegründeten Vereins und förderte ihn mit vielfältigen Maßnahmen. Zu dieser Zeit besaß Prinz Hermann einen großen Geflügelhof in Bergdorf bei Bückeburg. In einem Artikel berichtet die Schaumburg-Lippische Landeszeitung am 23. Oktober 1885 über die Aktivitäten dieses Mitgliedes des Fürstenhauses: „Seit Jahren ist es das Bestreben Seiner Durchlaucht, die Hühnerzucht in Stadt und Land zu heben, und wird diese nicht nur dadurch bezweckt, dass jene Geflügelhöfe praktische Beispiele dafür sein sollen, sondern jeder Züchter, der diesen edlen Zweck zu huldigen weiß, wird von Seiner Durchlaucht auf das liebevollste mit einem oder mehreren Stämmen edler Rassen beschenkt. (...) Wohl in keinem Falle verlässt ein Züchter Seine Durchlaucht, ohne im Besitz mehrerer edler Tiere zu sein. Ganze Fuder Hühnerküken lässt Höchstderselbe den Landsleuten ins Dorf bringen, um so wenig wie möglich den Landleuten Umstände zu bereiten. “Allein in vier Jahren, das zeigen erhaltene Aufzeichnungen aus den Jahren 1905, 1908, 1909 und 1910 gab Prinz Hermann aus den Beständen seines Geflügelhofes als Zuchttiere 2.227 Hühner, 319 Enten und 366 Tauben an heimische Züchter ab. Im selben Zeitraum lieferte der Prinz 76.498 Eier. Am 1. Dezember 1908 wurden 1.958 Tiere, darunter 1218 Hühner und 152 Tauben, in seinem Geflügelhof gehalten.
Prinz Hermann unterstützte den Verein für Geflügelzucht und Obstbau, wo er nur konnte. Er stiftete Medaillen sowie Sach- und Geldpreise. Regelmäßig besuchte er die Versammlungen des Vereins. Er hielt zahlreiche Vorträge zum Thema Fütterung und Frühbruten. Ganz besonders widmete er sich dem Kreuzen von Hühnerrassen und dem Herstellen von Hühnerfutter, auch Hühnerbrot genannt. Gästen, die er auf seinem Geflügelhof empfing, zeigte er sein Geflügelbrot. Dieses wurde aus allerlei Mehlsorten und Blut gebacken. Unterstützung wurde dem Verein auch von der Mutter des Fürsten, Fürstin Hermine, zuteil. Sie stecktedem Verein hin und wieder Geldbeträge zur Finanzierung seiner Tätigkeit zu. 1962 notierte Stadtarchivar Albrecht Wehling aus Stadthagen im General-Anzeiger: „Für die Schulkinder auf St. Annen war es immer interessant, wenn der Prinz in seinem offenen Jagdwagen im Lindengarten



vorfuhr. Das Originelle war dabei ein hölzernes Pferd, eine Art Holzbock, auf dem ein richtiger Sattel befestigt war, in seiner Kutsche, der ihm als Sitzgelegenheit während der Fahrt dienen musste, weil er der Meinung war, dass er nicht sitzen könne, sondern immer reiten müsse. Im Übrigen war ja auch seine äußere Aufmachung alles andere als die eines Prinzen. Ohne Frage, Prinz Hermann war ein wunderlicher Herr, der seine besondere Angewohnheiten und Umgangsformen hatte. Zu dieser Einschätzung kommt Heinrich Munk in seiner Chronik der „Rassegeflügelzucht im Schaumburger Land“. Allerdings: Die Gutmütigkeit des Prinzen wurde oft ausgenutzt. So wanderten seine gratis abgegebenen Bruteier häufig in die Pfanne oder auch die Zuchttiere in den Kochtopf.
Prinz Hermann starb am 29. Dezember 1918 in Illenau bei Achern in Baden. In einem Nachruf heißt es einen Tag später in der Schaumburg-Lippischen Landeszeitung: „Wohl selten hat ein Prinz solch wahre und echte Volkstümlichkeit genossen wie der Verstorbene. Sein Leben war allzeit schlicht bürgerlich, Standesunterschiede machte er kaum, er kannte den größten Teil der Bevölkerung in Stadt und Land persönlich und lebte buchstäblich mitten im Volk, das ihn in seiner Leutseligkeit und Herzensgüte wegen aufrichtig schätzte und verehrte.“ Der „Verein für Geflügelzucht, Obstbau, Bienen- und Kaninchenzucht im Fürstentum Schaumburg-Lippe“ konnte sich glücklich schätzen, von Anfang an einen solchen Förderer in seinen Reihen zu haben.